Hormonwandel als Chance: Greta Namboutin über die Wechseljahre
- Eileen Liebig

- 27. Jan.
- 4 Min. Lesezeit
Warum diese Phase kein Makel ist – sondern ein Wendepunkt.
Wechseljahre werden bei uns oft behandelt wie ein Thema, das man am besten schnell „wegarbeitet“: ein bisschen still leiden, ein bisschen durchhalten, ein bisschen Drogerie-Regal plündern – und bloß nicht drüber sprechen. Genau dieses Schweigen ist einer der Gründe, warum so viele Frauen Angst davor haben, noch bevor überhaupt etwas passiert.
In dieser Folge von „einfach anfangen“ spreche ich mit Greta Namboutin, Gründerin von Menowise. Und dieses Gespräch ist wie ein Reality-Check mit sanfter Ohrfeige: nicht, weil es hart ist – sondern weil es entlastet. Weil es Dinge einordnet. Und weil es endlich mal diesen Satz laut ausspricht, den so viele brauchen: „Du kannst nicht einfach weiter durchziehen. Du kannst nicht einfach sagen: ‚Hab ich schon immer so gemacht.‘“ Und genau da beginnt das Umdenken.
Warum Wechseljahre so einen schlechten Ruf haben
Viele Frauen kennen Wechseljahre nur als Horror-Erzählung. Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Gereiztheit, Gewichtszunahme – und irgendwo schwingt immer diese Botschaft mit: Ab jetzt geht’s bergab.
Greta ordnet das differenzierter ein: Es gibt Frauen, die kaum etwas merken. Es gibt Frauen, die Symptome haben, die nerven, aber handelbar sind. Und es gibt Frauen, die wirklich stark getroffen werden – körperlich, emotional, mental. Das Problem ist: Über die wird am meisten gesprochen. Und das macht etwas mit uns. Schon ein Zyklus, der sich um einen Tag verschiebt, kann dann reichen, um innerlich Alarm zu schlagen.
Was dabei untergeht: Selbst wenn du zu denen gehörst, die es heftig trifft, heißt das nicht „Pech gehabt“. Es heißt vor allem: Hinschauen. Verstehen. Neu sortieren. Und genau darin kann – trotz der Zumutung – eine Chance liegen.
Was Wechseljahre eigentlich sind (ohne Fachchinesisch)
Wir reden oft über „die Wechseljahre“, als wäre das ein kurzer Moment. Greta macht klar: Es ist meist ein Zeitraum, manchmal wenige Jahre, manchmal über ein Jahrzehnt.
Es gibt Phasen wie Perimenopause, Menopause und Postmenopause – wichtig ist aber vor allem das Prinzip: Die letzte Blutung ist nicht der Anfang, sondern oft eher ein Meilenstein in einem Prozess, der längst vorher gestartet hat. Viele Veränderungen beginnen, während du noch ganz normal deine Periode hast.
Und hier kommt ein entscheidender Punkt: Wechseljahre erkennt man nicht nur am Zyklus. Sondern daran, dass sich plötzlich Dinge verändern, die vorher stabil waren. Schlaf wird schlechter. Stimmung kippt schneller. Verdauung spielt verrückt. Gelenke schmerzen ohne Befund. Konzentration fühlt sich anders an. Oder du nimmst zu, obwohl du nichts anders machst.
Greta erklärt das sehr anschaulich: Östrogen wirkt über Rezeptoren im ganzen Körper – und wenn sich dieses System verändert, kann sich das eben überall zeigen. Deshalb sind die Symptome so vielfältig. Und deshalb laufen so viele Frauen erstmal durch Arztpraxen, ohne dass jemand den Zusammenhang sieht.
Die eigentliche Krise: Nicht nur körperlich – sondern auch im Kopf
Das Gespräch wird besonders spannend, als Greta über die emotionale Ebene spricht. Denn viele erleben nicht nur körperliche Symptome, sondern ein Gefühl von: Ich erkenne mich nicht wieder.
Und dann kommt die gesellschaftliche Prägung obendrauf: Wir sind (vor allem unsere Generation) oft darauf trainiert, zu funktionieren. Nicht zu viel fühlen. Nicht zu viel brauchen. Nicht zu viel verlangen. Und plötzlich geht dieses alte System nicht mehr auf.
Greta beschreibt die Wechseljahre wie ein Portal: Du gehst da nicht einfach „durch“ – du wirst aufgefordert, dich zu verändern. Nicht, weil du musst, um „besser“ zu sein. Sondern weil du sonst gegen deinen eigenen Körper arbeitest.
Was Frauen bei Greta am häufigsten mitbringen
Ein Thema kommt immer wieder: Beziehungen – und zwar nicht nur im Sinne von „läuft nicht mehr“, sondern eher: passt nicht mehr zu dem Menschen, der ich gerade werde.
Viele Frauen merken, dass sich Bedürfnisse verändern. Auch Sexualität. Manche haben weniger Lust, andere mehr. Viele stellen fest: Sie haben keine Lust mehr auf das, was „immer so war“. Und genau das kann Konflikte bringen – oder die Chance, sich neu kennenzulernen.
Und ja: Schlaf ist ein riesiges Thema. Emotionen auch. Traurigkeit, Wut, Reizbarkeit, manchmal Angst und Panik. Greta erzählt sehr offen, wie stark sie selbst betroffen war – bis hin zu Schmerzen, Schlafentzug und einem Gefühl, als würde das Leben „kleiner“ werden.
Der Unterschied: Sie ist nicht im Schrecken stehen geblieben, sondern hat daraus etwas gemacht.
Drei Dinge, die du wirklich jetzt schon tun kannst
Greta nennt im Gespräch drei Hebel, die nicht nach Selbstoptimierungs-Hölle klingen, sondern nach: Ich nehme mich ernst.
Erstens: Bewegung – und besonders Krafttraining. Nicht als „Bikinibody“-Projekt, sondern als Schutzfaktor. Muskelmasse, Knochen, Stabilität, Energie. Und zwar nicht erst „irgendwann“, sondern als Investition, die sich später auszahlt.
Zweitens: Ernährung – und wenn du nicht alles umstellen willst, dann fang wenigstens mit Protein an. Weil der Körper es in dieser Phase dringend braucht, und weil viele Frauen unterschätzen, wie sehr Ernährung Einfluss auf Stimmung, Entzündungen und Energie haben kann.
Drittens: Omega-3. Greta ist da sehr klar: hochwertig, sinnvoll dosiert, nicht „irgendein“ Präparat. Gerade wenn es um Entzündungsprozesse und mentale Klarheit geht, ist das ein Thema, das viele erst ernst nehmen, wenn Beschwerden längst da sind.
Was ich daran mag: Es geht nicht um Perfektion. Es geht um Startpunkte.
Ein Satz, der hängen bleibt
Am Ende ist das Gespräch vor allem eine Einladung: Hör auf, Wechseljahre zu hassen, nur weil du gelernt hast, dass „alt werden“ ein Problem ist. Oder wie Greta es sinngemäß sagt: Du kannst entweder versuchen, diese Phase wegzudrücken – oder du kannst sie nutzen, um dich endlich wieder auf das Wesentliche auszurichten.
Und vielleicht ist genau das der Punkt: Nicht weniger Leben. Sondern ein anderes. Mit weniger Bullshit. Mit mehr Klarheit. Und mit mehr Selbstmitgefühl.




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